Predigt von Pfarrer Maximilian Pühringer zum 2. Ostersonntag
Predigt 2. Ostersonntag, 12.4.2026Perikopen: Apg 2,42-47Joh 20,19-31
Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!
Acht Tage sind seit Ostern vergangen. Noch einmal hören schauen wir zurück auf den ersten Ostermorgen. Die Jünger, die uns an diesem ersten Ostermorgen heute im Evangelium geschildert werden, strotzen nicht gerade vor Glaubensbegeisterung, sondern ganz im Gegenteil. Sie sind ein verängstigter kleiner Haufen. Der Schrecken des Karfreitags sitzt ihnen noch tief in den Knochen. Sie haben sich eingesperrt und „waren aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen.“ Aber in dieser Verschlossenheit kommt der Auferstandene zu ihnen und es geschieht eine dreifache Verwandlung. Diese wollen wir anschauen. Sie darf auch an uns geschehen. Erstens: Wandlung von der Furcht zur Freude. Wo die Menschen am Ende sind, ist Gott noch lange nicht am Ende. Der Auferstandene kommt bei verschlossenen Türen zu seinen Jüngern. Er kommt aber nicht nur durch verschlossene Türen, sondern er schafft sich auch Zugang in verschlossene Herzen und eröffnet ihnen einen neuen Weg des Glaubens. Der Auferstandene macht den Jüngern keine Vorwürfe, weil sie ihn nach der Verhaftung fast alle im Stich gelassen haben. Stattdessen wünscht er ihnen den Frieden. Friede ist hier wirklich als allumfassender Frieden gemeint: Friede mit den Menschen, mit Gott, mit sich selber. Der Auferstandene wünscht den Seinen den Frieden und er zeigt ihnen seine Wundmale an den Händen und an seinem Herzen. Diese Wundmale sind so etwas wie die „Ausweispapiere“ des Auferstandenen. Er weist sich damit aus und sagt, dass er kein Gespenst ist, sondern derselbe, der am Kreuz gestorben ist. Der Auferstandene zeigt seine Wunden und ermutigt uns dazu, auch zu den Schwachstellen und Wunden unseres eigenen Lebens zu stehen, auch zu unserer Angst und Verwundbarkeit, die uns in diesen Tagen ganz neu vor Augen geführt wird. Die Begegnung mit dem Auferstandenen, der den Jüngern seine Wundmale zeigt, verwandelt ihre Furcht in Freude: „Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen.“ Die Freude, die aus dem Glauben kommt, bedeutet eine tiefe innere Freude, die sich nicht allein von äußeren Umständen abhängig macht, sondern vor allem aus der Dankbarkeit erwächst. Aus einer Dankbarkeit über erwiesene Solidarität, aus einer Dankbarkeit für kleine Zeichen der Verbundenheit, aus einer Dankbarkeit für das Leben überhaupt. Zweitens. Verwandlung vom Zweifel zum Glauben. Hier kommt die Gestalt des Thomas ins Spiel. Er wird als der sogenannte „ungläubige Thomas“ bezeichnet. Aber schon der Kirchenvater Augustinus sagte vor 1700 Jahren, dass der Unglaube dieses Thomas uns mehr geholfen hat als der Glaube der anderen Jünger. Seine Wunde des Unglaubens hilft uns, unsere eigenen Wunden der Ungläubigkeit und des Kleinglaubens zu heilen. Jesus nimmt den Zweifel des Thomas und sein „Begreifen-wollen“ ernst und sagt zu ihm: „Steck deine Finger hierher aus und siehe meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!“ Allein schon dieses Ernstgenommen-Werden scheint in Thomas etwas verwandelt zu haben. Es ist schlimm nicht ernst genommen zu werden. Ich fürchte das geschieht oft. Der Auferstandene nimmt Thomas ernst. Und überwältigt von der Liebe des Auferstandenen spricht er eines der kürzesten und schönsten Glaubensbekenntnisse des Neuen Testamentes: „Mein Herr und mein Gott!“ Die Wunden des Auferstandenen werden zum Begegnungsort mit Gott. Dort, wo wir ihn am wenigsten vermutet hätten, zeigt er seine Gegenwart: In der Erniedrigung Jesu am Kreuz, in der durchlittenen Gottverlassenheit, in der Verwundbarkeit, die im Licht von Ostern zu einem Zeichen der Liebe Gottes wird. Es gibt den Zweifel, es gibt den Unglauben im Leben. Der Herr will es verwandeln. Wir dürfen nach und nach Glaubende werden. Es gibt die Leere im Glauben, aber durch den Kreuzestod Jesu ist Gott selber solidarisch in diese Leere eingetreten und hat sich damit zum Verbündeten des Menschen auf seiner Sinn- und Gottsuche gemacht. Drittens: Verwandlung vom äußeren zum inneren Sehen Thomas durfte sehen, aber Jesus sagt schließlich: „Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“ Der Glaube des Thomas macht uns Mut, unsere Zweifel auszusprechen, Leere auszuhalten und Einwände zu benennen. Der Glaube des Thomas macht aber auch Mut zum Trotzdem-Glauben. „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“ Wir leben in unsicheren Zeiten. Der Blick auf vieles ist getrübt. Viele Ungewissheit ist heute da, wie es weitergeht in Kirche und Welt. Hier tut es gut, unser Leben mit seinen Wunden im Licht des Auferstandenen zu sehen. Auch wenn wir ihn äußerlich nicht sehen, verlässt er doch seine Jünger nicht. Die Hoffnung und die Freude, die von ihm ausgehen, sind schon 2000 Jahre ansteckend. Wir dürfen es dem Auferstandenen auch heute zutrauen, dass er sich neu Zugang zu unseren verschlossen Herzen verschaffen kann, und vor allem dürfen wir innerlich sehend werden.
Liebe Brüder und Schwestern!
Christsein heißt an die Wandlung Glauben und in Wandlung leben. Der Auferstandene verwandelt die Jünger, Thomas und wohl auch uns. Es ist die Wandlung von der Angst zur Freude, vom Zweifel zum Glauben, vom äußeren und inneren Sehen. Möge diese Verwandlung auch an uns geschehen. Amen.